Bewegliches Konzept für die Betreuung der Flüchtlinge in Oststeinbek

1. Allgemeine Situation                                   

Mittlerweile leben 129 Flüchtlinge  – Stand: 30.08.2016 – unterschiedlicher Nationalitäten in der Gemeinde Oststeinbek: aus Syrien: 42, Armenien: 29,

Afghanistan: 17, Mazedonien: 8, Kosovo: 11, Libanon: 4, Albanien: 4, Irak: 3, Iran: 2, Eritrea: 2, Togo: 1, Dom. Rep.: 1, Herkunftsland ungeklärt: 5; 63 Frauen/Mädchen und 66 Männer/Jungen. Zuweisungen in 2016: 41, Rückführungen seit 2015: 16.

Politischer Konsens ist, dass diese Neubürger in Kauf- und Mietobjekten über das Gemeindegebiet verteilt untergebracht werden, so dass eine optimale Integration ermöglicht wird.

18 Kinder besuchen zurzeit eine Kindertagesstätte.

Einige Schulkinder werden noch in den Glinder DaZ-Klassen auf den Übergang in eine Regelschule vorbereitet, 5 Kinder besuchen mittlerweile die Grundschule in Oststeinbek und 10 Kinder eine weiterführende Schule.

Flüchtlingskinder, die eine Kindertagesstätte besuchen, werden als Kinder ohne besonderen Betreuungsbedarf (I-Status) in diesen Einrichtungen betreut.

Fast alle Erwachsenen nehmen an den von der Gemeinde Oststeinbek über freiwillige Leistungen finanzierten und inzwischen von der VHS organisierten Deutsch-  und Alphabetisierungskursen teil.

Erfreulich ist ebenfalls, dass einigen Flüchtlingen bereits ein Praktikumsplatz vermittelt werden konnte. Viele Flüchtlinge möchten sich in der Gemeinde durch die Übernahme kleinerer Aufgaben einbringen. Hier ist der rechtliche Rahmen immer zu prüfen.

 

2. Immobiliensituation

Ende 2015 hat sich unter anderem aufgrund der Flüchtlingssituation in allen Gemeinden Deutschlands das Angebot an Immobilien verschlechtert, so auch in Oststeinbek. Aus diesem Grunde entschloss sich die Gemeinde Oststeinbek, größere Objekte zu erwerben bzw. im Jahr 2016 errichten zu lassen. In diesen größeren Objekten können bis zu 32 Personen ein vorübergehendes Zuhause finden.

Wegen stagnierender Zahlen bei den Zuweisungen von Flüchtlingen an die Gemeinde seit dem Frühjahr 2016 wurden mittlerweile 2 Mietverhältnisse wieder gekündigt und ein weiteres nur befristet bis zum Dezember 2016 geschlossen.

Die Unterbringung einer größeren Gruppe von Menschen auf engem Raum birgt naturgemäß eine höhere Gefahr zwischenmenschlicher Auseinandersetzungen. Bisher allerdings ist es der Gemeinde Oststeinbek, der Flüchtlingsbetreuerin und den Dolmetschern sowie dem Flüchtlingshilfeverein Oststeinbek e.V. immer gelungen, dieses zu vermeiden. Der Flüchtlingshilfeverein und viele weitere Helfer und Paten leisten hier großartige ehrenamtliche Arbeit, insbesondere bei der Betreuung und der Integration.

Die ursprüngliche Prognose, dass die Flüchtlingszahlen über das Jahresende 2015 hinaus auch im Jahr 2016 weiterhin steigen werden, hat sich nicht bewahrheitet.
Trotzdem stießen sowohl der Verein als auch die Verwaltung Ende 2015 an ihre Grenzen, so dass die Betreuung in dem bisherigen Maße nicht mehr gewährleistet werden konnte.

 

3. Hauptamtliche Betreuung

Um auch weiterhin eine professionelle Betreuung der Flüchtlinge im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben zu ermöglichen, war die Einstellung von Personal unabdingbar.

Personell erfolgte in der Verwaltung daher eine Stunden-Aufstockung im Sachgebiet Soziales. Außerdem wurden die zusätzlichen Stunden der durch die Gemeindevertretung (GV) am 12.10.2015 bewilligten 450 €-Kraft für die Organisation von Deutsch-Kursen in der VHS angesetzt.

Weiterhin wurden 2 Bufdi-Stellen (Bundesfreiwilligendienst, ehemals Zivildienst) für 2016/2017 aus dem Bundesprogramm „10.000 Bufdi-Stellen für die Flüchtlingsbetreuung“ durch die GV bewilligt.

Darüber hinaus wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der Arbeiterwohlfahrt   (AWO) über 3 Jahre geschlossen:

Die AWO stellte ab dem 01.01.2016 eine Flüchtlingsbetreuerin in Vollzeit sowie zwei Sprach- und Kulturmittler in Teilzeit für die Betreuung der Flüchtlinge ausschließlich in der Gemeinde Oststeinbek ein.

Für die Betreuung vor Ort und als Anlaufstelle wurde ein Büro in der Begegnungsstätte eingerichtet.

Eine teilweise Finanzierung dieser Maßnahme erfolgt über die Integrationspauschale des Landes Schleswig-Holstein (einmalig 2.000 € pro zugewiesenem Flüchtling).

Im August 2016 konnte mittlerweile eine Bufdi-Stelle besetzt werden.

 

4. Integration:

2015 war das Jahr, in dem viele Flüchtlinge in kurzer Zeit untergebracht und versorgt werden mussten. 2016 und 2017 sind die Jahre der Integration. Diese Herausforderung wird noch größer sein als die der Erstversorgung.

Administrativ soll dies unter anderem mit dem Integrationsgesetz des Bundes gelingen. Hier vor Ort jedoch sind es weiterhin die Mitbürger, die Vereine, die Betriebe und die Verwaltung, die dazu beitragen, ein gleichberechtigtes Zusammenleben zu ermöglichen.

Integration kann nur gelingen, wenn die Oststeinbeker und Havighorster Bürger den Flüchtlingen vorurteilsfrei und zugewandt zur Seite stehen.

Dazu ist es auch wichtig, die andere Mentalität und bisherige Lebensweise kennen zu lernen, um zu verstehen, was Menschen aus anderen Ländern beim Einleben in unsere Gesellschaft schwerfällt und warum. Dies kann nur gelingen, wenn man miteinander ins Gespräch kommt; z. B. auf gemeinsamen Veranstaltungen.

 

5. Betreuung der Flüchtlinge

Im Folgenden werden die gegenwärtigen Aufgaben und Tätigkeitsfelder in der Flüchtlingsbetreuung zusammengefasst:

 

 

Gemeindeverwaltung Oststeinbek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Akquise von Unterkünften
  • Betreuung der gemeindeeigenen Unterkünfte hinsichtlich Ausstattung, Ersatzbeschaffung, Überprüfung der Sicherheit und Hygiene, Übergabe an / Übernahme von Bewohnern, Festsetzung der Benutzungsgebühren
  • Unterhaltung der Unterkünfte (Miet- / Nebenkostenzahlungen, Reparaturaufträge)
  • Erstkontakt bei Zuweisung /
    Übergabe eines Begrüßungspaketes
  • Leistungsgewährung / Bedarfe (einmalige, Mehrbedarfszuschläge z.B. bei Schwangerschaft), Bildung und Teilhabe
  • Beantragung und Änderung von Gesundheitskarten sowie Abrechnung mit der Krankenkasse
  • Beratung der Flüchtlinge
  • Vermittlung von Kita-Plätzen
  • Hilfeleistung bei Kontaktaufnahme zur Arge
  • Daten/Statistiken/Abrechnungen im Austausch mit der Kreisverwaltung

 

 

Hausmeister

(Mitarbeiter des Bauhofes)

 

  • tägliche Überprüfung der Außengelände, ggf. Entfernung von Müll
  • wöchentliche Kontrolle jeder Unterkunft (Wirtschafts-, Sanitärräume)
  • sofortige Erledigung von kleinen Reparaturen
  • Weitergabe von Reparaturaufträgen an die Verwaltung, wenn diese durch ihn nicht behoben werden können.
  • Abnahme von Reparaturarbeiten
  • Abnahme nach Fertigstellung der Unterkünfte, wenn z.B. renoviert wurde – besenrein
  • Aufbau von Mobiliar in den Unterkünften
  • Anleitung von Bewohnern, sich selbst zu organisieren bzw. behilflich zu sein (Gartenarbeit, Mülltrennung, Hilfsarbeiten)
  • Anleitung von Flüchtlingen im 0,80 €-Bezug (kleinere Tätigkeiten)

 

 

 

  • enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung, dem FOS und der Flüchtlingsbetreuerin bzw. den Sprachmittlern
  • eigenständige Auftragsvergabe bis zu einem Wert von 400 € (brutto)

 

 

Jugendzentrum

Oststeinbek

 

  • Reguläre Angebote für alle Kinder und
    Jugendlichen

 

 

Jugendberatung

Oststeinbek

 

  • Beratung von Kindern, Jugendlichen und Jungerwachsenen bis 27 Jahre
  • Unterstützung in den Familien
  • Vermittlung von therapeutischen und sozialpädagogischen Begleitungen

 

 

Kindertagesstätten auf dem Gemeindegebiet

 

 

 

  • Integration der Flüchtlingskinder in eine bestehende Gruppengemeinschaft

·         Sprachförderung im Rahmen der Möglichkeiten

 

Volkshochschule (VHS)

 

 

  • Organisation und Koordination einzelner Veranstaltungen zur Entlastung der ehrenamtlichen Helfer
  • Organisation der Deutsch- / Alphabetisierungskurse

 

 

Flüchtlingshilfeverein Oststeinbek (FOS)
– auf freiwilliger Basis

 

  • Erstkontakt bei Zuweisung /
    Übergabe eines Begrüßungspaketes
  • Unterstützung und Orientierung im neuen Umfeld (Einkaufsmöglichkeiten, Bank, Kitas, Schule, Freizeitangebote, Sprachförderung)
  • Einzelbetreuung (z.B. Anmeldung in den Schulen, Kitas, Begleitung zu Ärzten und Behörden)
  • Aufklärung über das tägliche Leben (z.B. ÖPNV, Mülltrennung / Abfallentsorgung, Brandschutz, technische und sanitäre Anlagen)
  • Leitung der Kleiderkammer / Koordination von Spenden
  • Organisation diverser Angebote (z.B. Nähkurs, Frauen-/Männergruppe, Integrationsangebote für Kinder und Jugendliche)

 

 

  • Organisation des „Internationalen Cafés“, monatlich, im Wechsel mit dem DRK und der ev. Kirche
  • Organisation von Lesepaten in DAZ-Klassen
  • Organisation von Arbeitseinsätzen männlicher Flüchtlinge
  • Regelmäßige Besuche in den Unterkünften

 

 

Flüchtlingsbetreuerin

 

  • enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung, dem FOS und 2 Kultur- und Sprachmittlern
  • Erstkontakt bei Ankunft der Flüchtlinge, Begleitung in die Unterkunft
  • Unterstützung bei der Orientierung im neuen Wohnumfeld
  • Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit / Jobcenter (z. B. Unterstützung bei der Suche nach Praktikums-, Ausbildungsplätzen)
  • Suche von Hilfen für traumatisierte Flüchtlinge
  • Betreuung und Hilfeleistungen in allen Lebens-

lagen direkt vor Ort im Hinblick auf Selbsthilfe

  • Vermittlung an Beratungsstellen (Migrationsberatungsstellen)
  • Begleitungen bzw. Organisation von Begleitungen in Zusammenarbeit mit dem FOS
  • Hilfe bei Gesprächen mit Lehrern und Erziehern (Schule / Kita) sowie bei der Anmeldung
  • Zentraler Anlaufpunkt für alle Flüchtlinge / mobil erreichbar
  • Kontaktaufnahme durch regelmäßige Besuche aller Unterkünfte (mind. einmal wöchentlich)
  • Aufbau eines Netzwerkes zu Beratungsstellen
  • Aufbau eines Netzwerkes „runder Tisch“ (Kindertagesstätte, Jugendzentrum, Jugendberatung, Vereine / Verbände)
  • Organisation von nachbarschaftlichen Veranstaltungen zur Förderung der Integration
  • Meldung von technischen Problemen über die Verwaltung an den zuständigen Hausmeister
  • Wöchentliche kurze Dienstbesprechung mit Verwaltung, Sprachmittlern, Hausmeister

 

 

2 Sprach- und

Kulturmittler

– Arabisch, Dari, Farsi

 

 

  • Zusammenarbeit mit der Verwaltung, dem FOS und der Flüchtlingsbetreuerin

 

  • Erstkontakt bei Ankunft der Flüchtlinge, Begleitung in die Unterkunft
  • Unterstützung und Orientierung im neuen Umfeld (Einkaufsmöglichkeiten, Bank, Kitas, Schule, Freizeitangebote, Sprachförderung)
  • Aufklärung über das tägliche Leben (z.B. ÖPNV, Mülltrennung / Abfallentsorgung, Brandschutz, technische und sanitäre Anlagen)
  • Aufklärung von Missverständnissen und Entschärfen von Konflikten
  • Persönliche Begleitung im Einzelfall (Kita, Schulen, BAMF)
  • Führen von Kontaktgesprächen als vertrauensbildende Maßnahme
  • Notrufnummern

 

 

2 Bufdi-Stellen

 

  • Unterstützung in der Flüchtlingsbetreuung

 


Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

 

 

  • Flüchtlinge, die hier schon länger leben, helfen Neuankömmlingen bei der Orientierung

 


6. Angebote für ein verständnisvolles Miteinander und zum interkulturellen Austausch

Homepage der Gemeinde

Startseite – Aktuelles – Aktuelle Meldungen: Flüchtlings-Konzept  und allgemeine Infos, monatlich aktualisiert

Neue Unterkünfte

  • „Tag der offenen Tür“ vor Eröffnung einer neuen Unterkunft
  • wiederkehrende Nachbarschaftsgespräche

Mögliche Veranstaltungen:

Podiums-Gespräch, interaktiv mit Flüchtlingen verschiedenen Alters aus verschiedenen Ländern, um viel über das Leben und den Alltag in dem Land zu erfahren, aus dem sie geflüchtet sind – ggf. mit Dolmetschern;

Foto-Ausstellung an Stellwänden / Präsentation über Beamer

  1. Vorträge/Gesprächs-Runde z. B. freie Dozenten, Journalisten, „alte“ Zuwanderer aus der Gemeinde

  2. Spezialitäten-Abend mit Musik

  3. Gemeinsames Kochen

  4. Informationsaustausch: Verwaltung und Ehrenamtliche = Zwischenresümee

Angebote, Kurse, Treffen, Sonstiges

Die Gemeinde stellt dem FOS für die Kleiderkammer die Scheune beim Bürgerhaus sowie für die Fahrrad-Werkstatt einen Raum im Hof der Unterkunft

Möllner Landstr. 79 zur Verfügung.

 

Regelmäßige Angebote für Flüchtlinge:

  • Männertreff, mittwochs von 19:00 bis 21:00 Uhr im Gemeindehaus der Auferstehungskirche
  • Frauentreff, freitags von 9:00 bis 11:00 Uhr im Gemeindehaus


für alle:

  • Kleiderkammer, geöffnet dienstags von 10:00 bis 12:00 Uhr und donnerstags von 14:00 bis 17:00 Uhr in der Scheune im Kratzmannschen Hof
  • Fahrradwerkstatt, mittwochs von 10:00 bis 13:00 Uhr und 16:45 bis
    18:30 Uhr sowie freitags 17:00 bis 19:00 Uhr im Hinterhof,
    Möllner Landstr. 79
  • Internationales Café, jeden 3. Sonntag im Monat abwechselnd organisiert vom FOS und dem DRK in der Begegnungsstätte oder der ev. Kirche im Gemeindehaus

 

Außerdem nehmen einige Flüchtlinge das örtliche Sportangebot in Anspruch.